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Zweites „SOUTH EAST EUROPEAN FILM FESTIVAL” (SEEFF à Berlin) im Kino Babylon

SEEFF präsentiert aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme aus Osteuropa in Berlin.

Nach dem letztjährigen Auftakt im Auditorium der Humboldt-Universität zu Berlin zieht das „SOUTH EAST EUROPEAN FILM FESTIVAL” (SEEFF à Berlin) diesmal in ein richtiges Kino um, denn in der Uni wird umgebaut. Ein paar Filme konnten im letzten Jahr auch im Zeughaus Kino gezeigt werden, doch dies sollte wohl die Ausnahme bleiben, denn das Kino im Deutschen Historischen Museum steht vornehmlich nur für geschichtlich relevante Retrospektiven bereit.

Das SEEFF à Berlin lädt dagegen erneut zum kulturellen Dialog mit Ländern aus Süd- und Osteuropa ein. Die movie members GmbH präsentiert auch in diesem Jahr vom 25. – 28. Mai 2017 in Kooperation mit dem South East European Film Festival (SEEFF) à Paris, der Humboldt-Universität zu Berlin, crossborder factory und weiteren Partnern wieder eine Auswahl von Filmen aus 15 Ländern in Berlin: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Griechenland, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Rumänien, Serbien, Slowenien, Türkei, Ungarn und Zypern.

Festivaldirektor Harald Siebler: Ein Filmfestival südosteuropäischer Filme in Berlin ist angesichts wachsender Kritik an der europäischen Idee und einem Erstarken längst überwunden geglaubter Nationalismus-Debatten sicher nicht die lösende Maßnahme. Aber gerade in diesen Zeiten gewinnen der kulturelle Austausch und das gegenseitige Kennenlernen eine immer größere Bedeutung. Filme funktionieren wie Brücken, sie verbinden Menschen, und diese Art des Brückenbauens erscheint mir eine zeitgemäße und notwendige Aufgabe der Kulturarbeit.

Gezeigt werden 15 aktuelle Filmproduktionen, also pro Land ein Werk. Darunter die Komödien "TWO LOTTERY TICKETS" von Paul Negoescu aus Rumänien und "AFTERLOV" von Stergios Paschos aus Griechenland, die ihre Deutschlandpremieren beim SEEFF à Berlin 2017 feiern. Die jeweiligen Filme werden dem Publikum in Originalsprache mit englischen Untertiteln präsentiert. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Sondervorführungen, Symposien, Diskussionen, Ausstellungen und einen Street-Food-Market ermöglicht es den Festivalbesuchern noch tiefer in die südosteuropäische Kultur einzutauchen und sich mit wichtigen sozialpolitischen Themen auseinanderzusetzen.

Hier die Übersicht über die 15 Filme:

Bosnien und Herzegowina: SARAJEVO – SYMBOL OF CIVIL COURAGE (Regie: Mirko Kurilic)

Kosovo: HOME SWEET HOME (Regie:Faton Bajraktari)

Montenegro: LOWDOWN / ISPOD MOSTA, MEDJU STIJENAMA (Regie: Pavle Simonovic)

Türkei: 91.1 (Regie: Mustafa Haktanir)

Kroatien: YOU CARRY ME / TI MENE NOSIŠ (Regie: Ivona Juka)

Bulgarien: THE SINGING SHOES / PEESHTITE OBUVKI (Regie: Radoslav Spassov)

Serbien: A GOOD WIFE / DOBRA ZENA (Regie: Mirjana Karanović)

Rumänien: TWO LOTTERY TICKETS / DOUĂ IOZURI (Regie: Paul Negoescu)

Slowenien: A COMEDY OF TEARS / KOMEDIJA SOLZ (Regie: Marko Sosič)

Zypern: THE VERY LAST MORNING (Regie: Ciprian Mega)

Griechenland: AFTERLOV (Regie: Stergios Paschos)

Mazedonien: GOLDEN FIVE / ZLATNA PETORKA (Regie: Goran Trenchovski)

Moldau: EASTERN BUSINESS / AFACEREA EST (Regie: Igor Cobileanski)

Albanien: CHROMIUM / KROM (Regie: Bujar Alimani)

Ungarn: KILLS ON WHEELS / TISZTA SZÍVVEL (Regie: Attila Till)

Zu Letzterem der Trailer und eine Filmkritik:

Elisabeths Filmkritik:

Der Übergang zwischen der Welt des Comics und der realen ist fließend. Eins greift ins andere über. Der ungarische Regisseur Attila Till setzt die Szenenübergänge teilweise im Stil der Animation um, so geschickt, dass diese einem amerikanischen Gangsterfilm in nichts nachstehen.

Zoli (Zoltán Fenyvesi) und Barba Papa (Ádám Fekete) treffen auf Rupaszov (Szabolcs Thuróczy), als der aus dem Knast entlassen, an ihrem Therapiezentrum vorbeirollt. Barba Papa hatte einen Feuerlöscher geklaut, mit dem sie gerade herumalbern. Rupaszov, der früher einmal Feuerwehrmann war, bevor er vor drei Jahren einen Unfall hatte, belehrt sie rüde und lässt ihnen nichts durchgehen. Nachdem sie ihre Kräfte gemessen haben, lädt er die beiden Jungs zu einem Bier ein. Für die zwei, die Zeit ihres Lebens mit ihrer Behinderung leben mussten, sich darin eingerichtet haben, die Spielregeln kennen und keine Grenzen mehr verschieben, tut sich bei dieser Gelegenheit eine andere Welt auf.

Attila Till romantisiert das Leben im Rollstuhl nicht. Zoli, der ohne Vater aufgewachsen ist, weil der sich nach seiner Geburt nach Deutschland aus dem Staub gemacht hatte, braucht eine weitere OP. Diese soll seinen Rücken stärken, sonst wird er bald auch nicht mehr im Rollstuhl sitzen können. Trotzig lehnt er das Geld des unbekannten Vaters ab.

“Kills on Wheels” ist mitunter saukomisch und geht in manchen Szenen sehr zu Herzen. Die Figuren, die so gar nichts an sich ran lassen, die ohne mit der Wimper zu zucken, einen Mord begehen können, haben ihre weichen Seiten. Sie sind rein im Wesen. Ganz nach Attila Józsefs Gedicht “Mit reinem Herzen”, das ist die direkte Übertragung des Originaltitels: “Tiszta Szívvel”. Wenn man niemanden hat, wenn man innerlich verhungert, seelisch verkümmert, dann nimmt man sich mit reinem Herzen, was es zum Leben braucht.

Rupaszov hat sich mit einem serbischen Mafioso eingelassen, er ist der Trumpf in dessen Hand. Wer nimmt schon einen Rolli ernst, bis der seine Knarre zieht und schießt. Rupaszov lässt sich von den beiden Jungs helfen. Clever inszenierte Stunts sind das, so wie sie nur im Film funktionieren, aber das hat schon seine Berechtigung. Rupaszov braucht die beiden und für Zoli ist er so etwas wie eine Vaterfigur. Und damit ist “Kills on Wheels” vielmehr ein Coming-of-Age-Film, der eben nur in der Welt von Rollis spielt.

Die Darsteller der zwei Jungs sind Laien, machen ihre Sache ausgesprochen gut, aber ihnen fehlt das Rüstzeug, die emotionale Bandbreite einzubringen, die Szabolcs Thuróczy als Hitman mit Liebeskummer locker aus dem Ärmel schüttelt. Die Gewalt ist derweil, auch wenn die Actionszenen gut angelegt sind, nicht von der Handlung zu trennen. Es wird gemordet und Till begeht auch nicht den Fehler, hier Scherze einzubinden. Die Komik behält er anderen Szenen vor, besonders in der Interaktion der drei wird diese hauptsächlich verbal transportiert. Und doch ist die Gewalt begründet. Die Wut aus vielerlei Gründen ist nachvollziehbar. Zum Beispiel die seelische Verletzung, weil der Vater einen verlassen hat. Oder in Rupaszovs Fall ist es die Freundin. Die Wut, wenn der Arzt zu einem spricht, als sei man ein kleines Kind. All das schwingt mit.

Till, der einst mit Behinderten gearbeitet hatte, löst den Film anders auf, als man es denken würde, obwohl er die Hinweise schon früh eingeflechtet hat. Die beiden Jungs haben ein Ziel, für das sie brennen, an dem sie dran sind. Das ist, ein Comicbuch zu zeichnen und einen Verleger finden. Und darum lassen sie sich nicht abschütteln. Der Film, der zum Beispiel in Karlovy Vary und auch in Cottbus Festivalpräsenz zeigte, wurde von Ungarn für den fremdsprachigen Oscar eingereicht, kam jedoch nicht in die engere Auswahl der Academy.

Elisabeth Nagy

Festivalorte sind, wegen des Umbaus der Humboldt-Universität, das Kino Babylon am Rosa Luxemburg Platz und das Collegium Hungaricum Berlin. Festivalbar und Abschlussparty finden in der Bar TAUSEND statt.

Parallel zum Filmfestival zeigt der aus Brasilien stammende Fotograf Pedro Fredo bereits schon seit dem 13. Mai 2017 im Kino Babylon Berlin Mitte seine aktuelle Fotoserie "FACES BEHIND THE TRACES" zum kontinuierlichen Thema BALKAN ROOTS IN BERLIN, die im Rahmen des South East European Film Festivals - SEEFF á Berlin 2017 bis zum Ende des Festivals am 28. Mai 2017 zu sehen sein wird. Fredo hat schon letztes Jahr die SEEFF-Besucher mit seiner Ausstellung beeindruckt, die einen Beitrag aus bewusst ungewöhnlichem und bislang wenig beachtetem Blickwinkel zum aktuellen Diskurs zu Zuwanderung und künftiger Identität des Zusammenlebens in Berlin darstellt.

Sein Kunstprojekt verfolgt die Spuren Südosteuropas im Berliner Alltag. Das Spektrum der ausgestellten Arbeiten reicht dabei von historischen Relikten wie der Gesandtschaft des ehemaligen Königreichs Jugoslawien über verblassende Hinterlassenschaften einstiger "Bruderstaaten" der DDR bis hin zu Bauten der Moderne wie dem Collegium Hungaricum Berlin.

Weitere Interformationen zum Festival sind zu finden auf: www.seeff.de

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