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50 Jahre Kurzfilmtage Oberhausen

Kurzfilmtage Oberhausen würdigen Oberhausener Manifest mit Filmraritäten.



Unter dem Titel "Provokation der Wirklichkeit: Mavericks, Mouvements, Manifestos" zeigen die 58. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen vom 26. April bis 1. Mai 2012 ein großes Themenprogramm zum 50. Jahrestag des Oberhausener Manifests, dem Schlüsseldokument der Nachkriegs-Filmgeschichte von 1962. Im Zentrum stehen die Filme der Oberhausener; Dutzende ihrer Werke wurden eigens für das Programm gesammelt und restauriert. Darüber hinaus stellen die Kurzfilmtage das Oberhausener Manifest in den Kontext seiner Zeit. Überall auf der Welt fanden sich damals Gruppen zusammen, die das Kino verändern wollten und dies oft genug per Manifest kundtaten.

Mit dem Manifest hatten vor fünfzig Jahren 26 junge Filmkünstler am 28. Februar 1962 in Oberhausen eine neue Bildsprache und eine kommerzfreie Filmförderung gefordert. 12 Jahre später wurde 1974 in Berlin mit unserem BAF e.V. der erste Filmverband von ehemaligen Filmstudenten der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin (dffb) und Mitstreitern des Oberhausener Manifestes gegründet. Auch unser Verband nahm sich des Themas an und forderte darüber hinaus ein Filmhaus in Berlin für Independend-Filme und Low-Budget-Filmemacher. Erst 10 Jahre nach der Wende und dem Fall der Mauer ist mit einem Filmhaus am Potsdamer Platz und der Deutschen Kinemathek - dem Museum für Film und Fernsehen sowie mit dem Kino Arsenal - dem Institut für Film und Videokunst e.V. - ein Teil der Forderungen erfüllt worden.

In Oberhausen, dem ältesten Kurzfilmfest werden werden rund 18 000 Besucher erwartet. Von jedem Ticket fließen erstmals zehn Cent in die Finanzierung eines Förderpreises. Rund 6000 Filmbeiträge wurden eingereicht. 140 Filme haben die Jurys ausgewählt. Sie konkurrieren in fünf Wettbewerben um Preisgelder von insgesamt 44 000 Euro.



Neben den Wettbewerben und Themenprogrammen widmen die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen jedes Jahr außergewöhnlichen Künstlern, Filmemachern oder Gruppen kuratierte Retrospektiven. So zeigen die 58. Kurzfilmtage Werkschauen von Linda Christanell, Vera Neubauer, Ilppo Pohjola und Roee Rosen. Außerdem setzt das Festival mit der PODIUM-Diskussionsreihe auch 2012 seine Tradition als Ort der Auseinandersetzung mit Film fort, spricht über temporäre Zusammenschlüsse von Filmemachern, Künstlern und Intellektuellen, die sich über Manifeste, Kampfansagen oder Absichtserklärungen bemerkbar machten, und deren Tauglichkeit für die Gegenwart: In diesem Jahr mit Themen wie "Whatever Happened to Bildungsauftrag? - Filmvermittlung in Fernsehen und Internet" oder "Found Footage - Lost im Web?".

Zum 50. Jahrestag des Oberhausener Manifests stellt das Festival fünf Bewegungen aus fünf verschiedenen Ländern vor, die die ganze Bandbreite der Bestrebungen jener Jahre nach Veränderungen spiegeln. Zentrale Frage ist, was die Manifeste und Gruppen der Vergangenheit zur gegenwärtigen Situation der Kunst- und Kinokultur(en) zu sagen haben.

1959 wurde in Ungarn das Balázs Béla Stúdió als Experimentierfeld jenseits des offiziellen Kinos gegründet; die New American Cinema Group um Jonas Mekas forderte in ihrem First Statement im Sommer 1961 die radikale Veränderung des US-Kinos; im April 1964 fanden sich mehr als 80 japanische Filmschaffende zur Eiga geijutsu no kai (Filmkunstgesellschaft) zusammen, um das Dokumentarkino von Grund auf zu erneuern. Schon 1953 hatte die Groupe des Trente in Frankreich ihr Manifest zur Verteidigung des Kurzfilms veröffentlicht; in Schweden formierte sich Ende der fünfziger Jahre eine Gruppe um den Museumsgründer und Kurator Pontus Hultén - seine Bemühungen um die Verbindung von bildender Kunst und Experimentalfilm sind heute so aktuell wie damals.

Anlässlich des fünfzigsten Jahrestags des Oberhausener Manifests erscheint zum Festival das Buch "Provokation der Wirklichkeit. Das Oberhausener Manifest und die Folgen" im Verlag edition text + kritik, eine Sammlung von Dokumenten, Essays und Gesprächen. Am 16. Januar 2012 ging darüber hinaus die Website www.oberhausener-manifest.com mit Informationen zum Oberhausener Manifest online und in der Reihe "Edition Filmmuseum" erschien eine Doppel-DVD mit rund 20 Arbeiten der Unterzeichner aus den Jahren 1957 bis 1965.

Link: www.kurzfilmtage.de

Quellen: kurzfilmtage.de | Filmzeitung


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