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Aktuelle Filmkritiken im Juli 2018 - Teil V

Filmbesprechungen zu "PAPILLON", "CATCH ME!" und "IUVENTA", einer Doku über junge Flüchtlingsretter.

Letzten Donnerstag, den 26. Juli 2018 war mit "Ant-Man and The Wasp" ein weiterer Film gestartet, der umgehend Platz eins der Kinocharts zu erobern versuchte, wie wir am Samstag, den 28. Juli 2018 ausführlich berichteten. Wir gehen deshalb darauf nicht noch einmal ein.

Nachholen wollen wir aber, wie seinerzeit versprochen, unsere Besprechung zu "PAPILLON", der am Wochenende einen Platz in den Charts gut machen konnte, dennoch ein wenig abgeschlagen nicht über Platz 10 hinaus kam. Die Neuverfilmung wollten nur 18.000 Zuschauer in 308 Kinos sehen, was ein Einspielergebnis 160.000 Euro am Boxoffice einbrachte.

Die Komödie "Catch Me!" startete dagegen nur in 252 Kinos, kam aber mit 35.000 Zuschauern und 300.000 Euro Umsatz immerhin auf Platz sieben.

Nachtrag:

Laut Media Control erreichte die Abba Komödie "Mamma Mia!" mit mehr 205.000 Zuschauern zwar nicht ganz das erhoffte Ziel von 250.000 Besuchern, konnte aber die bisherige Nummer 1, die Animation "Hotel Transsilvanien 3 - Ein Monster-Urlaub", in die Schranken verweisen und überholte zuletzt sogar noch "Ant-Man and The Wasp", der wohl wegen der Hundstage ebenfalls das gesteckte Ziel von 270.000 Besuchern nicht erreichte, sondern mit knapp 199.000 Kinogänger kaum mehr als die Nummer 5 einspielte.

Das insgesamt schwache Ergebnis wird natürlich bei den nächsten Quartalszahlen für Zündstoff am Boxoffice sorgen.

Am Meisten berührte uns jedoch der Dokumentarfilm "IUVENTA" über ein Seenotrettungsschiff, der Berliner Hilfsorganisation »Jugend Rettet«, welches im Mittelmeer Flüchtlinge aus den Fluten barg, aber dann wie andere NGO-Schiffe von italienischen Behörden festgesetzt wurde, sodass laut Change.org seitdem über 1.400 Menschen ertrunken sind, weil sie keiner mehr retten darf, ohne in Gefahr zu laufen - wegen angeblicher Missachtung der 12 Meilen Zone - angeklagt zu werden.

Der Film wird am 23. August 2018 auf dem Fernsehsender 3sat ausgestrahlt. Zuvor ist er in ausgewählten Kinos im Eigenvertrieb für wenige Tage zu sehen. Mehr dazu in unserer nachfolgenden Filmbesprechung.

"IUVENTA. Seenotrettung - Ein Akt der Menschlichkeit" Doku von Michele Cinque (Italien). Ab 29. Juli 2018 in ausgewählten Kinos. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Es war im Herbst 2015, als sich eine Gruppe junger Leute in Berlin zusammentaten, um die Hilfsorganisation „Jugend rettet“ zu gründen. Per Crowdfunding kauften sie einen 33 Meter langen Fischkutter und bauten ihn zu einem Seenotrettungsschiff um, um die EU unter Druck zu setzen, nachdem das europäische Seenotrettungsprogramm „Mare Nostrum“ eingestellt wurde. Sie wollten dafür demonstrieren, dass ein organisiertes System auf hoher See absolut notwendig ist und zur moralischen Pflicht Europas gehört. Aus dem symbolischen Aufruf wurde bitterer Ernst.

Die Doku beginnt mit der ersten Mission der IUVENTA als Rettungsschiff im Sommer 2016.

Michele Cinque war total begeistert von dieser Idee, setzte sich mit dem Gründer von Jugend rettet, Jakob Schoen, in Verbindung und ging kurze Zeit später auf Malta an Bord, um die jungen Leute bei ihrer ersten Rettungsfahrt mit der Kamera zu begleiten.

Voller Optimismus und Tatendrang, retteten sie innerhalb von nur 15 Tagen 2000 Menschenleben. Eine Achterbahn der Gefühle. Sie erfuhren nicht nur Dankbarkeit sondern wurden auch mit dem Tod konfrontiert. Man könnte ihnen eine gewisse Naivität vorwerfen, aber hätten sie sich die Aktion akribisch bis ins kleinste Detail durchdacht, hätten sie vielleicht alles abgebrochen. Genau das ist es, was sie so mutig und sympathisch macht.

Nach über einem Jahr im Einsatz, zusammen mit der italienischen Küstenwache sowie der Marine, wurden etwa 14.000 Menschen auf hoher See gerettet.

Im August 2017 wurde ihr Schiff plötzlich beschlagnahmt und von den italienischen Behörden in Lampedusa festgesetzt. Die Crew wurde des Menschenhandels beschuldigt. Eine Anklage ist bis heute nicht erfolgt.

SEENOTRETTUNG IS NOT A CRIME!

Während der gesamten Zeit ist Cinque mit seiner Kamerafrau Martina Cocco dabei. Ganz dicht sind sie an der Crew und zeigen deren Emotionen, ihre Zuversicht, ihr Engagement und ihren unerschütterlichen Glauben an eine bessere Welt, bis zu dem Tag, als sie kriminalisiert wurden.

Es ist genau der richtige Zeitpunkt, den Film jetzt zu starten. Im Rahmen der empathielosen Abschottungspolitik aus dem rechten Rand, ist dieser „kleine Film“, mit seinen großartigen Protagonisten, wichtiger, denn je.

Noch vor der Fernsehausstrahlung am 23. August 2018 in 3sat war der Film am 29.07.2018 im Berliner Kino Movimento in Kreuzberg zu sehen. Am 7.8.2018 wird er nochmals in Berlin Mitte am Hackeschen Markt auf der großen Leinwand im Kino Central um 19:00 und 20:00 Uhr gezeigt. In Potsdam läuft er am 4.8. 2018 im Thalia um 18:30 Uhr.

Er kann zudem gebucht werden mit Crew – Mitgliedern und Aktivisten, die heute auf anderen Schiffen unterwegs sind und die in einer anschließenden Diskussion gerne Rede und Antwort stehen. Infos unter: www.iuventa-film.de

Ulrike Schirm

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"PAPILLON" Gefängnisdrama von Michael Noer (USA). Mit Charlie Hunnam, Rami Malek, Eve Hewson u.a. seit 26. Juli 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

1969 veröffentlichte der ehemalige Strafgefangene Henri „Papillon“ Charrière, auf dessen Brust ein tätowierter Schmetterling, ihm den Spitznamen „Papillon“ einbrachte, seinen autobiografischen Roman, benannt nach diesem, seinem Markenzeichen.

Franklin J. Shaffners („Planet der Affen“) hochspannende Verfilmung aus dem Jahre 1973 über Henri Charrières unglaublichen Gefängnis-Höllentrip in Französisch – Guayana zählt bis heute zu den Klassikern des Abenteuerfilms, allein schon wegen der Besetzung Steve McQueen und Dustin Hoffmann.

Im damaligen Trailer hieß es: „PAPILLON, ein Mann wie ein Orkan. Bis heute ist von dieser Wucht nichts verloren gegangen.

Nun erscheint Michael Noers Neuverfilmung.

1931. Papillon (Charlie Hunnam), ein Kleinganove, wird zu Unrecht des Mordes angeklagt und auf die berüchtigte Gefängnisinsel in Französisch – Guayana verbannt. Auf der Überfahrt lernt er den Fälscher Louis Dega ((Rami Malek) näher kennen. Als er erfährt, dass Dega eine höhere Summe Geld versteckt hat, entsteht zwischen den beiden ungleichen Männern eine Art Zweckgemeinschaft.

Dega, körperlich längst nicht so stark wie Henri, dafür mental durchaus gerissen, braucht den Schutz von Henri und der wiederum sein Geld. Was die beiden eint, ist der Wille zu überleben. Beide sind überzeugt, es gibt nur Flucht oder Tod.

Der Weg zur Kolonie ist von gnadenloser Brutalität und dem Sadismus von vereinzelten Wärtern gepflastert, wobei man sich wundert, wie man diese Züchtigungen überhaupt überleben kann.

Henri ist nur von einem Gedanken besessen: Er muss unter allen Umständen fliehen.

Auf der landschaftlich herrlich gelegenen Insel angekommen, lassen die brutalen Übergriffe etwas nach. Das Militär ist überzeugt, dass von hier ein Fluchtversuch schier unmöglich ist.

Charrière und Dega sind inzwischen wahre Freunde geworden.

Als Dega sich mit einem Wärter anlegt und der ihn fast zu Tode prügelt, geht Papillon dazwischen, um seinem Schützling zu helfen. Die Quittung, zwei Jahre Einzelhaft, mit dem Ziel, ihn endgültig zu brechen.

Auch in Noers Neuverfilmung geht es um die Festigkeit und die Kraft einer tiefen Freundschaft und dem eisernen Willen zu Überleben. Die unglaubliche Geschichte wird packend und straff erzählt, wobei sich die Bilder in vielen Sequenzen kaum vom Original unterscheiden, mit dem Unterschied, dass Charlie Hunnams Körperlichkeit nach zweijähriger Einzelhaft längst nicht so abgewrackt und ausgemergelt ist, wie damals das Erscheinungsbild Steve McQueens.

Man fragt sich schon, warum dieser Klassiker noch einmal verfilmt wird. Herausgekommen ist ein durchaus grundsolides Gefängnisdrama, in dem nichts Neues erzählt wird. Mir persönlich gefällt die Besetzung von Rami Malek, der durch sein sensibles Spiel mehr dazu beiträgt, vorhandene Beschützerinstinkte zu wecken, als Dustin Hoffmann es vermochte. (By the way, Rami Malek wird man demnächst als Queen-Sänger Freddy Mercury auf der Leinwand sehen und hören können).

Ulrike Schirm

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"CATCH ME!" Komödie von Jeff Tomsic (USA). Mit Ed Helms, Jake Johnson (XVI), Annabelle Wallis u.a. seit 26. Juli 2018 im Kino. Hier der Trailer:

Ulrikes Filmkritik:

Über den Humor von Männern schüttelt man ja als Frau gerne mal mit dem Kopf und denkt sich sein Teil.

Was sich in "CATCH ME!" abspielt, mag man kaum glauben, alles dreht sich um das Kinderspiel „Fang mich doch“ und basiert auf einer wahren Geschichte.

Jahr für Jahr, immer im Mai, treffen sich fünf ehemalige Jugendfreunde, um in einem bekloppten Fangspiel Kopf und Kragen zu riskieren und das seit 30 Jahren. Fünf, inzwischen gestandene Männer, stürzen sich wie eine Horde Wilder auf Freund Jerry (Jeremy Renner), der kurz vor seiner Hochzeit steht und bisher den „Fängern“ ein Schnippchen schlagen konnte. Diesmal sind sie sicher: Er entkommt ihnen nicht.

Auf geht's. Wenn es um ihr Fangenspiel geht, lassen sie sich durch nichts aufhalten.

„Catch Me!“ ist ein Komödiendesaster. Die Witze bewegen sich auf dem Niveau von pubertierenden Teenies und je gröber der Spaß, desto mehr amüsieren sie sich.

Freund Jerry, durchaus nicht dumm, ahnt was auf ihn zukommt. Sein breites Grinsen deutet an, dass sie es schwer haben werden.

Sich einen Hauch Kindlichkeit zu bewahren, ist nie verkehrt aber sich als Erwachsener kindisch zu verhalten ist nicht unbedingt lustig. Auch die dramatische Wendung am Ende, macht es nicht besser.

Ulrike Schirm

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